Automatisierung trotz zu erwartender Krise Haupttrend in der tschechischen Logistik

Petra Troblová Aimtec
8. 11. 2022 | 6 Minuten Lesen

Wie sehen Gegenwart und Zukunft der tschechischen Logistik aus? Wohin fließen Investitionen? Inwieweit werden Lagerung und Logistik durch die Post-Covid-Situation und den Ukraine-Krieg beeinflusst? Antworten auf diese und weitere Fragen suchte die einzigartige Erhebung Trends in der tschechischen Logistik 2022 (Studie ist in Englischer Sprache) der Firma Ipsos für die Branchenvereinigung SKLAD, deren Mitglied auch Aimtec ist. An der Erhebung beteiligten sich 132 Firmen, wobei aus den Antworten ihrer Manager ein Nachdruck auf Vertiefung von Digitalisierung und Optimierung der Logistikprozesse und Lagerung erkennbar ist.

Lokalisierung und Einsparungen

Die aktuelle Situation auf dem tschechischen Logistikmarkt wird sowohl durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie als auch die kriegerische Auseinandersetzung in der Ukraine beeinflusst. Diese negativen Umstände äußern sich vornehmlich in der Herangehensweise an die Planung der internen Logistik sowie in Sparmaßnahmen. Damit einhergehend suchen die Manager aber auch nach neuen technologischen Möglichkeiten.

Änderungen in der Planung sind die Folge einer anhaltenden Instabilität der Lieferketten, was Produktionsunternehmen zwingt, vom Just-in-Time-Prinzip abzugehen und zur Bevorratung und Lagerung von Schlüsselkomponenten und damit Suche nach Lagerkapazitäten zurückzukehren. Einige Unternehmen ziehen sogar in Erwägung, „Europa neu zu entdecken“, und optimieren ihre Lieferketten so, dass Risiken in Verbindung mit Lieferungen aus entfernten Regionen minimiert werden.

Mit dem Anstieg der Preise allgemein und der Energiepreise im Besonderen wächst der Druck auf einen effektiveren Lagerbetrieb zusammen mit der Maximierung von Energieeinsparungen. Auch in der Logistik herrscht daher eine erhöhte Nachfrage nach sparsamer Beleuchtung, Photovoltaik und Wärmepumpen.

Was fehlt auf dem Markt am meisten?

  • Lagertechnik
  • Lagerräume
  • Personal mit unterschiedlicher Qualifikation
  • Möglichkeit der Vorhersage der weiteren Entwicklung

Laden Sie die Studie auf Englisch herunter.


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Pandemie als Beschleuniger

Die angesprochenen Experten waren sich darin einig, dass das Coronavirus ungeachtet der keineswegs rosigen Situation auf dem postpandemischen Markt keine Gefahr mehr darstellt. Einige werten die Pandemie rückblickend sogar als nutzbringend dahingehend, dass sie wünschenswerte Prozesse, vor allem im Bereich der Digitalisierung interner Systeme, angestoßen hat.

95 % der angesprochenen Unternehmen rechnen binnen fünf Jahren mit einer zumindest teilweisen Automatisierung ihrer Lager.

Obwohl die Zeichen für große Investitionen eher schlecht stehen, für die Digitalisierung gilt das nicht. Auch Unternehmen, die Automatisierung lange aufgeschoben haben, legen jetzt los. In angespannten Zeiten interessieren sie sich aber umso mehr für ihre Rentabilität – bei Software würde man gern zwei Jahre sehen, bei Handhabungstechnik 2-4 Jahre.

Roboter und Menschen

Ein allgemeines Interesse der Logistikmanager besteht darin, menschliche Arbeitskraft nicht mehr für Tätigkeiten zu vergeuden, die Maschinen übernehmen können, während Personal Tätigkeiten mit höherer Wertschöpfung ausübt. Die schnelle Entwicklung im IT-Bereich macht es möglich, progressive Technologien, einschließlich künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens, in der Logistik einzusetzen. Die Automatisierung von Routinehandlungen geht sowohl mit höherer Effektivität als auch einer Minimierung der Fehlerquote einher.

Das Zentralhirn eines solchen „funktionalen Ganzen“ ist immer öfter ein Lagerverwaltungssystem (WMS), das Aufgaben für einzelne Ressourcen annehmen und verteilen sowie ihre Tätigkeit steuern und überwachen kann.

„Die Automatisierung erfolgt in Unternehmen vollständig oder sukzessive. Unternehmen möchten neue und ältere Technologien von verschiedenen Lieferanten einbeziehen, die unterschiedliche Möglichkeiten bieten. Gleichzeitig ist es erforderlich, sie mit Menschen zu vernetzen und alles von einer Stelle aus zu steuern. Für uns ist die Beherrschung der Automatisierungstechnologie und von Robotern eine strategische Kernkompetenz.“

Rostislav Schwob, Supply Chain Solutions Director , Aimtec

Die Absicht in den kommenden 12 Monaten in ein WMS zu investieren, räumten 52 Prozent der Befragten ein. Ähnlich, wie bei den oben erwähnten Investitionen in die Automatisierung allgemein, interessiert sie primär die Rentabilität.

Die Zukunft der Logistik liegt darin, sämtliche Prozesse gerätefrei zu haben, d. h. beispielsweise ohne Scanner, die den Menschen aufhalten. Die Vision sieht vor, Technologien zu finden, die sie ersetzen, genau identifizieren, was im Lager in Echtzeit vor sich geht, und die Minimierung menschlicher Fehler ermöglichen“, erläutert Schwob.

Bei der Verdrängung sich wiederholender Tätigkeiten, wie gerade Scannen, hilft nach Auffassung von Schwob ein komplexer Ansatz. „Aus Sensoren und Kameras werden Daten gewonnen und mit Hilfe von Machine Learning weiterverarbeitet. Das Ziel besteht darin, Menschen, Computational Intelligence und Automatisierungstechnologien zu einer Funktionseinheit zu vernetzen“, fügt der Manager der Firma Aimtec an.

Cloud und Data Mining

Ähnliche Trends bestätigt der kürzlich erfolgte Erwerb der Firma Zebra Technologies, die auf Identifizierungstechnologien, wie Strichcodes oder RFID-Identifikatoren, spezialisiert ist. Das Unternehmen kaufte unlängst die Firmen Adaptive Vision und Matrox Imaging, die sich mit maschinellem Sehen und automatischem Auslesen an Fertigungsstraßen sowie bei Ausgangskontrollen befassen. Die Akquisition der Firma Fetch Robotics ermöglichte ihr schließlich, den Verkauf autonomer mobiler Roboter (AMR) zu starten, die für zahlreiche Operationen in der Logistik einsetzbar sind.

Wie Marek Písečný, Channel Account Manager CZ&SK von Zebra Technologies, verweist, bietet sich außerdem die Nutzung von Cloud-Diensten sowie die Möglichkeit einer maximalen Ausschöpfung der gewonnenen Daten an: „Der ständig wachsende Druck auf die Lieferkette bestätigt die Bedeutung von Innovationen und Digitalisierung. Unser gesamtes Portfolio wird durch Cloud-Dienste unterstützt, die Einblick in die im Prozessverlauf gewonnene Datenmenge ermöglichen und dem Management dadurch wesentliche Informationen für die anschließende Effektivierung der Prozesse und Arbeitsabläufe zur Verfügung stellen“, sagt er.

Die tschechische Logistik steht somit offenbar vor einer Etappe der schrittweisen Prozessautomatisierung und Kostenrationalisierung. Das typischste Hindernis auf einem schnellen Weg zur Automatisierung bleiben die internen Kapazitäten der Programmierer und weiterer IT-Experten.

Haupttrends in der Automatisierung der Logistik

  • bessere Verfolgbarkeit von Material während seines gesamten Lebenszyklus (von der Produktion bis zum Kunden)
  • Vernetzung aller Lagertätigkeiten und ihre Anbindung an den Unternehmensbetrieb (Fertigung vs. Bestellung)
  • RFID-Technologie
  • Nutzung von VR-Elementen, beispielsweise bei der Auslagerung (z. B. VR-Brille beim Picking mit entsprechender Kommissionierungsfrequenz)
  • Inventarisierung mit Hilfe von Drohnen
  • papierloser Betrieb
  • autonomer Transport
  • E-Commerce- Ausgabesystem, Auslagerung an den Kunden per App (siehe Alza)
  • 3D-Druck mit Möglichkeit der Erstellung ausgewählter Komponenten vor Ort (ohne Notwendigkeit des Transports)
  • alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff
  • LGV-Fahrzeuge

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