WMS und MES im Wandel. Welchen Einfluss haben Cloud und Automatisierung?

Tomáš Svoboda Aimtec
31. 3. 2022 | 5 Minuten Lesen

Mit ihren Prognosen liegt die Beratungsfirma Gartner nur selten daneben. Was für eine Zukunft sieht sie für WMS (Warehouse Management System) und MES (Manufacturing Execution System)? Vom Monitoring des Zustandes von Betrieb oder Lager dürften sie sich nach und nach zu strategischen Tools entwickeln, die eine Automatisierung ermöglichen, die für Benutzer noch vor kurzem kaum vorstellbar war. Das alles in Verbindung mit einem perfekten Überblick über die Lieferkette und selbstverständlich auch mit Unterstützung durch die Cloud.

Cloud als Voraussetzung für Effizienz und einziger Weg?

Bereits über 50 % neuer Projekte realisieren Unternehmen in der Cloud. Großes Interesse an Cloud-Lösungen besteht vor allem in weniger bis mittelmäßig komplizierten Lagern, wo SaaS-Modelle die Anfangskosten deutlich senken und die Projektentwicklung beschleunigen. Wie Gartner betont, wird von Marktführern erwartet, dass sie mit Hilfe der Cloud technologische Neuerungen leichter zum Einsatz bringen und statt Migration von Infrastruktur und Anwendungen zu einer Kombination aus Cloud und Technologien wie AI, IoT, 5G, AR/VR, Blockchain oder 3D-Druck übergehen. Mit anderen Worten, die Cloud wird als Verbindungsglied zwischen Technologien dienen und ermöglicht die Lösung komplexerer und neu auftretender Szenarien.

Die Art des Vertriebs einer Lösung und das Pricing entwickeln sich zu Hauptfaktoren im MES-Bereich. Warum ist das so? MES-Anbieter gehen massiv zum Abonnement-Modell über. Neuerdings drängt an die Spitze des Entscheidungsprozesses beim Kunden die Fähigkeit des Lieferanten, ein transparentes Vertragssystem auf der Grundlage eines monatlichen oder jährlichen Nutzungsentgelts zu offerieren.

„Es ist prinzipiell wichtig, dass der Kunde einzelne Kosten sieht, die ihm im Rahmen des Abonnements regelmäßig in Rechnung gestellt werden. Effektive Planung nach dem realen Verbrauch ist nur dann möglich, wenn der Kunde genau versteht, wofür er zahlt, warum und was er als Gegenleistung erhält“, merkt Marek Šabatka, Cloud Business Development Manager von Aimtec, an.

Überblick darüber, was in der Lieferkette los ist

MES und WMS können neu auch als integrierte Bestandteile einer immer stärker verflochtenen und kooperierenden Lieferkette, in der Gesamtheit als MOM (Manufacturing Operations Management) bezeichnet, aufgefasst werden. Dies beinhaltet Qualität, Logistik bzw. Instandhaltung und Planung – kurzum Prozesse quer durch das gesamte Unternehmen und seine Produktionsstandorte. Lieferanten von Systemen werden in Abhängigkeit davon gesehen, inwieweit sie das neu entstehende Kooperationskonzept in der Lieferkette verstehen und welche Strategien sie in diesem Bereich verfolgen. Kunden bevorzugen aber immer mehr eine noch breitere Sichtweise mittels Paketen zur Steuerung von Lieferketten (sog. Supply Chain Suites), die eine komplexe (End-to-End) Lieferkette und Orchestrierung von Logistikprozessen unterstützen. Sie weiten den Überblick somit auch über die Grenzen einer Fabrik hin zu einzelnen Lieferanten dergestalt aus, dass die finale Produktion die eigene Planung ausgehend von Datensharing in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Waren kleinerer Zulieferer anzupassen vermag.

„Heutzutage geht es bei Projekten um Millisekunden. Auch bei der Integration unterschiedlicher Technologien können wir solche Anforderungen mit unserer Lösung bereits problemlos bewältigen. Eine Selbstverständlichkeit der Cloud-Lösung ist die sichere Kommunikation, mit einzelnen Maschinen kommunizieren wir über OPC-Server.“

Rostislav Schwob, Supply Chain Solution Director, Aimtec

Verständliche und transparente Abos sind ein Must-have

Eine weitere wesentliche Besonderheit für die Lieferantenauswahl ist die Erhöhung der Effizienz und Produktivität von Abläufen infolge von Personalmangel und steigenden Kosten (Energie, Material, Logistikaufwendungen). Zu den weiter an Bedeutung gewinnenden Prozessen gehören beispielsweise Workforce Management, Slotting, Yard Management, Dock Scheduling und Performance Management. Personalmangel motiviert Unternehmen zur Implementierung unterschiedlicher Formen der Automatisierung, ob AMR (autonome mobile Roboter) oder komplexe konventionelle Systeme für Automatisierung und Materialhandling. Über alldem steht das wachsende Erfordernis einer einheitlichen Plattform, mit der sich verschiedenartige Technologien und Prozesse und damit auch die gesamte Automatisierung steuern lassen. Solche Systeme bezeichnen wir als WCS (Warehouse Control System).

WMS und MES werden komplexer, aber gleichzeitig übersichtlicher

Auf dem WMS-Markt kommt es außerdem zu einer Art Aufspaltung des Kundenstammes. Ein kleineres, aber anspruchsvolleres Kundensegment verlangt hochleistungsfähige, automatisierte, komplexe und ausgeklügelte Lösungen, wobei der Preis eine eher untergeordnete Rolle spielt. Bei dem zweiten, massenartigen Segment dominieren andere Faktoren, wie Einfachheit in der Anwendung, Zuverlässigkeit, Service, Support oder niedrigere Haltungs- und Betriebskosten.

Was sind die Perspektiven der MES-Entwicklung? Der Unterschied zwischen IoT-Anwendungen und traditionellen MES-Anwendungen dürfte weiterhin, im Zuge der Entwicklung von IoT und Edge Computing, immer mehr verschwinden. User und Lieferanten werden neue, skalierbare Nutzungsweisen schaffen, die über ein bloßes Monitoring des Anlagenzustandes hinausgehen. MES übernimmt unausweichlich die Rolle einer Plattform, die sich in einzelne Anlagen direkt einschaltet, so dass die Anzahl der Technologien irrelevant wird.

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