Die TAL 2026 hat gezeigt, wie man eine für KI und Automatisierung gerüstete Logistik schafft
- 22.06.2026
- Pilsen
„Trends in der Logistik sind passé. Was heute wirklich zählt, ist der Preisdruck. Alles muss besser und schneller sein, Entscheidungen müssen auf Grundlage dessen getroffen werden, was noch gar nicht eingetreten ist“, eröffnete Rostislav Schwob von Aimtec den 25. Jahrgang der Konferenz Trends in Automotive Logistics (TAL) 2026. Genau darum, wie man in einem solchen Umfeld eine resiliente, datengestützte und künftige Entwicklungen berücksichtigende Logistik aufbaut, ging es bei der diesjährigen TAL. Am 16. Juni teilten Experten aus Unternehmen wie Škoda Auto, SAP, Amazon, Magna Exteriors, Shape Corp. oder Noyes Technologies im Parkhotel in Pilsen ihre Ratschläge und Erfahrungen. Anhand konkreter Beispiele veranschaulichten sie, was der Ansatz „Digital by Design“ in der Praxis bedeutet.
Die TAL 2026 bestätigte erneut ihre Stellung als eine der wichtigsten Veranstaltungen für Experten aus den Bereichen Logistik, Produktion, IT und industrielle Digitalisierung. „Diese Branchen sehen sich derzeit mit neuen Herausforderungen konfrontiert – vom wachsenden Bedarf an resilienten Lieferketten über die Dekarbonisierung bis hin zur Digitalisierung. Deshalb ist es wichtig, Erfahrungen regionenübergreifend auszutauschen. Die Zusammenarbeit zwischen Tschechien und Bayern zeigt, wie wichtig es ist, Synergien zu nutzen und Kräfte zu bündeln. Nur gemeinsam können wir die Lieferketten fit für die Zukunft machen“, sagte Richard Brunner von der Industrie- und Handelskammer Regensburg, der die Konferenz zusammen mit Roman Žák von Aimtec und Bernard Bauer von der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer eröffnete. Aimtec ist Hauptveranstalter der Konferenz, an deren Organisation auch die beiden genannten Kammern beteiligt sind.
Von der Prozessdigitalisierung hin zur Digitalisierung der Entscheidungsfindung
Die Frage ist heute nicht mehr, ob man digitalisieren soll, sondern vielmehr, wie sich aus digitalisierten Prozessen eine Grundlage für schnellere und präzisere Entscheidungen schaffen lässt, auf die man sich wirklich verlassen kann. Rostislav Schwob von Aimtec wies darauf hin, dass Pilotprojekte zur Digitalisierung und Automatisierung nur der erste Schritt sind. Die eigentliche Herausforderung liegt im erfolgreichen Roll-out und in der Standardisierung über alle Standorte hinweg. Was ist der richtige Weg? Der Schlüssel liegt seiner Meinung nach in sauberen Daten, offenen Integrationen und einer Architektur, die das Unternehmen bei der weiteren Entwicklung nicht behindert.
Die praktischen Auswirkungen eines solchen Ansatzes veranschaulichte Pavel Maryško von Škoda Auto am Beispiel der digitalen Steuerung von Schraubverbindungen, die der Automobilhersteller als wesentliches Sicherheitselement seiner Produkte betrachtet. Er stellte ein konkretes Beispiel aus dem Betrieb vor, wo rund 300 Schraubgeräte im Einsatz sind und täglich etwa 500 000 Anziehvorgänge durchgeführt werden. Zu jedem einzelnen Vorgang wird ein präziser Dateneintrag einschließlich der Verschraubungskurve erstellt, was eine detaillierte Rückverfolgbarkeit, Qualitätskontrolle und schnellere Reaktion auf außergewöhnliche Situationen ermöglicht.
Hana Součková von SAP ČR knüpfte an die veränderte Rolle des Menschen in der digitalen Industrie an. Sie verwies darauf, dass künstliche Intelligenz heute nicht nur einzelne Abteilungen, sondern das gesamte Unternehmensgefüge miteinander vernetzt und eine End-to-End-Betrachtung der Prozesse ermöglicht. Gleichzeitig erwähnte sie, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter zur Weiterbildung und Anpassung an neue Technologien, insbesondere KI, zu motivieren.
KI in der Logistik? Tool zur Verbesserung der Entscheidungsfindung
Mit den konkreten Vorteilen der künstlichen Intelligenz in der Produktionslogistik befasste sich Markus Speiser von Autodesk. Er erinnerte daran, dass die Digitalisierung an sich im Unternehmen noch keinen Mehrwert schafft, solange die Daten in isolierten Systemen verbleiben und nicht zur Entscheidungsfindung über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg beitragen. „KI ist keine absolute Wahrheit, sondern ein Indikator, der uns hilft, den bestgeeigneten Weg einzuschlagen. Wenn wir ihr Potenzial ausschöpfen wollen, müssen wir zunächst die Daten vernetzen und System-Silos aufbrechen“, sagte Speiser.
Das Thema eines messbaren Mehrwerts durch KI griff auch die durch Pavel Boháč von Aimtec moderierte Podiumsdiskussion auf. Haresh Solanki von Inteva Products demonstrierte, dass KI in Unternehmen bei der Bearbeitung von Tausenden Kundenverträgen pro Monat bis zu 99,72 % Zeit einsparen kann. Robert Cameron von VDA wies darauf hin, dass das Ausnahmemanagement in Lieferketten alltägliche Realität ist. KI hilft bei der schnellen Analyse und Stabilisierung der Produktion, während vollautonome „Dark Factories“ in der Automobilindustrie bislang noch Wunschdenken sind. Bindioa Ouali von Safran Aircraft Engines fügte hinzu, dass KI die Verantwortung des Menschen nicht ersetzen, sondern seine Entscheidungsfähigkeit stärken soll.
Robotisierung verändert den täglichen Betrieb
Wie entscheidend autonome Technologien heute im Logistikbetrieb bereits sind, präsentierte Jan Vavřík von Amazon. Das Unternehmen nutzt in seinen Lagern mehr als eine Million Roboter. Digitale Technologien kommen hier bei der Planung, der Sortierung von Bestellungen, der Routenoptimierung und der Steuerung des Warenflusses zum Einsatz. Gerade die Kombination aus Robotik, Daten und KI ermöglicht es, den Betrieb so zu skalieren, dass er Monate im Voraus auf die Nachfrage reagieren kann.
An den praktischen Einsatz autonomer mobiler Roboter knüpften Karel Kepka von Shape Corp. und Markus Schmermund von Idealworks an. Am Beispiel eines Intralogistikprojekts zeigten sie auf, dass intelligente Automatisierung schnell einsetzbar, betriebsstabil und wirtschaftlich rentabel sein kann: Die Implementierung dauerte nur wenige Wochen, das System läuft jetzt im 24/7-Betrieb, und die Amortisationszeit des Projekts beträgt weniger als neun Monate.
Automatisierung muss mit dem Betrieb mitwachsen
Christoph Scheufler von Magna Exteriors und Marco Prüglmeier von Noyes Technologies bestätigten, dass Flexibilität die Voraussetzung für eine erfolgreiche Automatisierung ist. Sie stellten die Automatisierung der Kommissionierung von Stoßfängern mithilfe eines Goods-to-Person-Systems mit mobilen Robotern vor, das die Laufwege um 97 % verkürzte und den Lagerflächenbedarf um 70 % reduzierte. Das Projekt bestätigte, dass sich modulare Lösungen ohne grundlegende Änderungen an bestehenden Prozessen erweitern lassen.
An die Vorbereitung von Automatisierungsprojekten schloss sich eine Podiumsdiskussion mit Jan Vavřík von Amazon Logistic Prague, Libor Mihalka von LogTech, Roman Černohous von Logio und Rostislav Schwob von Aimtec an. Die Referenten waren sich einig, dass Unternehmen nicht wegen eines Trends automatisieren sollten, sondern aufgrund eines klar definierten Problems. Wichtig sind auch die Vorbereitung des Teams, die Einarbeitung und der technische Support nach Übergabe der Lösung, da die Automatisierung im Betrieb langfristig genutzt werden soll.
Auf die Bedeutung der Vorbereitung und des Entscheidens unter Druck ging abschließend auch Martin Šonka, tschechischer Kunstflugpilot und ehemaliger Kampfpilot der Luftstreitkräfte der Tschechischen Republik, ein und übertrug das Thema der schnellen Reaktion auf sich verändernde Bedingungen auf die Welt außerhalb der Logistik.
Technologie hautnah
Die praktische Dimension der Konferenz ergänzte eine Experience Zone mit Technologievorführungen und einem Bereich für Treffen mit den Veranstaltungspartnern, darunter Zebra Technologies als Hauptpartner der TAL 2026. Die Teilnehmer konnten im Laufe des Tages auch das #AimtecLab – Aimtec Digital Factory Showcase besuchen, welches direkt im Hauptsaal die Prinzipien einer digitalen Fabrik veranschaulichte.
Das informelle Abendprogramm stand ganz im Zeichen des 30-jährigen Jubiläums von Aimtec. Eröffnet wurde es durch die Firmengründer Roman Žák und Jaroslav Follprecht zusammen mit dem CEO Pavel Boháč. „Wenn es etwas gibt, das Aimtec zu einem derartigen Erfolg geführt hat, dann ist es das Team aus großartigen Menschen, denen eine gute Arbeit am Herzen liegt“, sagte Roman Žák.
Der nächste Jahrgang der Konferenz Trends in Automotive Logistics findet am 15. Juni 2027 statt.
Hauptpartner: Zebra Technologies
Partner der Konferenz: 24 VISION, ABB Robotics Czech Republic, Asprova, Bayern Innovativ, Beratungsbüro Oberpfalz, BITO skladovací technika CZ, Europaregion Donau-Moldau – Beratungsbüro Niederbayern, GALAXIS TECHNOLOGY, Happenee, Idealworks, Körber, Logio, LogTech, Noyes Technologies, Bezirk Pilsen mit Unterstützung der EU und des Ministeriums für Schulwessen, Jugend und Sport, SAP, Vereinigung SKLAD, VertiFlex
Medienpartner: Aimtec Insights, Automa, CIOtrends, Dopravní noviny, IT Systems, Logistika.Tv, Packaging Herald, Praktická LOGISTIKA, Reliant Group, Svět průmyslu, Systémy logistiky, The Best of Logistics, TRANSPORT a LOGISTIKA, Vše o průmyslu.
Organisatoren: Aimtec, IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK)
Aimtec
Aimtec unterstützt seit nunmehr fast 30 Jahren Industrieunternehmen weltweit bei der Digitalisierung von Produktion und Logistik. Wir befassen uns mit der Verknüpfung von IT und Geschäftsprozessen – von der Lager-, Produktions- und Lieferkettenverwaltung bis hin zur Simulation, Automatisierung und Integration komplexer Systeme. Zu den Kunden von Aimtec zählen beispielsweise Škoda Auto, Panasonic, DENSO, Magna und GZ Media. Weitere Informationen unter www.aimtecglobal.com.
Kontakt für Medien:
Eva Králová
Marketing Project Manager
eva.kralova@aimtecglobal.com
+49(0)151 52 929228
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